An den Samstagen steht gründliche Reinigung an. Ich fliege mit einem Lappen durch die Zimmer, wische den Staub weg. Er sammelt sich vom Holzspänenofen. Jeden Tag eine dicke Schicht Staub. Bevor ich sie von der glänzenden Oberfläche des billigen Möbelstücks wegwische, schreibe ich mit dem Finger verschiedene Dinge wie auf einer Tafel. Ich male ein Herz durchbohrt von einem Pfeil, ein Hakenkreuz oder schreibe meinen Namen, den ich verabscheue. Manchmal, wenn niemand zusieht – Flüche. Mit Schimpfwörtern und obszönen Begriffen verewige ich meine Gehorsamkeit. Nur so darf ich trotzig, ungezogen sein und ohne Bestrafung bleiben. Am Samstag muss ich schnell und gründlich sein. Mama bringt mir Präzision bei. Sie versucht, mich zur perfekten Hausfrau und vorbildlichen Ehefrau zu erziehen, die weiß, wie man dem Ehemann und den Kindern dient. Ich durchstreife mit einem Lappen jede Ecke, und die sichtbaren Stellen wische ich dreimal, bevor mein Vater überprüft, ob es sauber genug ist.
Er kommt vom Hof zurück, in schmutzigen Schuhen mit Schlamm und Mist aus dem Hühnerstall. Die Rückstände von Dreck trägt er gerade auf die frisch gewaschene Treppe. Die feuchte Lappen zum Abwischen der Schuhe liegen offensichtlich nicht für ihn da. Er umgeht sie mit einem großen Bogen, als ob sie nur für Diener wären und nicht für den Herrn Grafen mit seinem Siegelring. „Möge der Teufel ihn holen!”, denke ich. Am Nachmittag muss ich anstatt zu spielen, schon wieder mit dem Lappen durch die Gegend fliegen. Der Vater zieht seine Arbeitskleidung aus und wirft sie, wohin es ihm passt. Die Mutter springt wie ein Grashüpfer hinter ihm her, schnappt sich Jacke, Hose, weiße Unterhosen mit gestopften Knien und trägt alles artig zur Waschmaschine. Zur alten „Frania“, Waschmaschinenprototyp, im winzigen Badezimmer neben der Küche. Für eine andere Waschmaschine reicht uns das Geld nicht, und das schon seit vielen Jahren. Selbst als in allen Häusern sogenannten „Automaten“ stehen, waschen wir wie in alten Zeiten. Eine erzwungene Nostalgie. Die Mutter wäscht ohne Widerspruch, ohne ein Wort des Protests, ohne zu murmeln, dass es ihr schwerfällt. Ich aus Angst, den Zorn meines Vaters nicht zu provozieren. Der Kauf der Waschmaschine ist schließlich seine Entscheidung, dasGeld gehört auch ihm.
Ich blicke auf das Wasser in der alten Waschmaschine, es ist bereits dick und trüb vor Schmutz, denn meine Mutter wirft immer wieder etwas dazu, und das Schleudern des alten Geräts endet nie. Mit einem Korb trage ich die gewaschene Wäsche nach draußen. Ich hänge sie an Leinen in die Sonne und Wind. Wir haben nur wenige Wäscheklammern, daher verbinde ich die Ränder einzelner Kleidungsstücke, befestige sie miteinander wie Güterwagen eines Zuges.
Die Sonne trocknet die Wäsche schnell, aber man muss aufpassen, sie nicht zu lange auf den Leinen zu lassen. Dann entstehen Flecken, und gute Kleidung kann schnell zu Lumpen werden. Aber auch solche müssen wir tragen, denn andere haben wir nicht und werden sie nicht schnell bekommen. Wofür? Papa wird nicht kaufen. Genau wie bei der Waschmaschine ist das seine Entscheidung, was und wann wir brauchen. Unterwäsche, Socken, neue Schuhe, weil die alten drücken, oder eine dickere Jacke für den Winter. Er weiß am besten, fragt niemanden. Er bringt die Sachen vom Markt, von den Russen. Seine Kleidung kauft er meistens in Geschäften, alles von besserer Qualität als unsere. Schließlich trägt er seine Kleidung länger als wir Kinder und schätzt sie, weil er sie ordentlich auf Bügel hängt. Seine Anzüge für den Sonntag, bunte Hemden, sorgfältig gebügelte Hosen. Die Kanten in den Hosen macht er selbst mit Hilfe eines sauberen Geschirrtuchs. Denn Mama kann nicht bügeln und er erträgt es nicht, wenn die Kanten kommen bei ihr immer doppelt heraus. Dann schreit er sie an und sie streiten über den ganzen Mist, wie immer, über schlecht gebügelte Hosen. Es ist wirklich schwer, solche Kanten ordentlich zu machen. In unserem Haus gibt es kein Bügelbrett. Stattdessen breitet man eine Decke vom Sofa auf dem Küchentisch aus. Das Bügeleisen braucht eine Weile, um heiß zu werden. Ein echtes Museumsstück wie unsere „Frania“.
Um den Stoff zu befeuchten, füllt man Wasser in das Bügeleisen und spritzt es aus dem Mund heraus. Man muss gut die Wangen aufgeblasen. Es entsteht so eine Art Spray. Ich mag das zu tun, wie jedes Kind. Manchmal dürfen wir sogar nacheinander eine Wassersalve abschießen. Tomek ist der Jüngste und er spuckt fast den gesamten Wasserinhalt auf das Hosenbein. Dafür bekommt er eins auf den Kopf, und so endet der ganze Spaß. An den Samstagabenden findet das gemeinsame Baden statt. Da wir kein Badezimmer haben, schleppt Mama Wasser in Eimern die Treppe hinauf und kocht es in einem großen gelben Bottich auf. Den haben wir nur dafür. Manchmal auch für den festlichen Bigos, wenn wir eine dreifache Portion machen müssen. Für das Baden verwenden wir eine Zinkwanne. In der Wohnung gibt es keinen Platz dafür, deshalb steht sie im Schuppen auf Spänenhaufen, wo viele Mäuse herumlaufen. Sogar in der Wanne treiben eklige Nager ihr Unwesen. Das sieht man an ihren kleinen Häufchen, kleinen schwarzen Kugeln. Sie kriechen in die Vertiefungen rund um den Boden so eng, dass man sie manchmal mit einem Streichholz herausholen muss. Ihr Baden erfolgt nacheinander, vom jüngsten zum ältesten oder umgekehrt. Alle im gleichen Wasser. Mama wiederholt, dass wir uns nicht ekeln müssen, weil wir Geschwister sind. Ich ekle mich und versuche geschickt, meine Brüder zu überlisten, um die Erste zu sein. Zum Glück muss ich mich nicht nach meinen Eltern waschen, sie ekeln mich noch mehr. Besonders Papa, obwohl er laut Mama „pedantisch” ist. Er wäscht sich öfter als sie und reinigt seine Nägel, die er als einziger in unserer Familie nicht abkaut. Bei Hitze wischt er sich mit einem feuchten Handtuch den Hals ab, um keine schwarzen Ringe aus Schweiß und Staub zu haben. Nach jedem Toilettengang wäscht sich der Vater den Hintern. Mama verrät mir einmal, dass Papa Hämorrhoiden hat. Das sind Venen am After, die platzen, wenn man zu sehr drückt. Dann gibt es Blut und die Wunde juckt. Ich stelle mir meinen Vater mit blutendem Hintern vor und lächle vor mich hin. Ich denke, es wäre besser, ihm Watte in die Unterwäsche zu legen, so wie Frauen es während ihrer Periode tun. Der Vater geht so oft auf die Toilette, weil er sich manchmal mehrmals am Tag wäscht. Er hat oft Durchfall und furzt laut und stinkend, bei dem solchen Furzen müssen ihm die Venen platzen, denke ich mir. Nachts steht er auch auf, um sich zu waschen. Ich wache immer auf, wenn ich höre, dass er sich auf Mama legt, um es ihr einzuführen. Er muss seinen Hintern waschen, auch von Sperma. Mama könnte sich auch waschen oder die Samen ausspülen, damit es keine Kinder gibt. Aber sie steht nicht auf, kein Wunder, dass wir schon fünf Kinder sind.
Ich bin zwölf Jahre alt, und endlich beschließt mein Vater, dass wir ein Badezimmer bauen. Ich freue mich wie verrückt, dass ich in einer Badewanne zwischen schönen Fliesen liegen werde. Ich drehe den Wasserhahn auf, und warmes Wasser strömt heraus. Ich werde darin liegen, umhüllt von weißem flauschigen Schaum wie in Hollywood-Filmen. Wir haben ein Badezimmer, aber es passt nicht zu meinen Träumen. Klein, eng und mit einer abgeschrägten Wand direkt über dem Kopf. So niedrig, dass selbst ich – mit zwölf Jahren – in dem Raum gebückt gehe. Die Fliesen wurden von jemandem aufgekauft, der etwas übrighatte. Eine farblich unharmonische Mischung mit einem rosa Apfelblütenmuster. Eine rosa Badewanne, weiße Toilette und kakaofarbene Waschbecken. „Alles aus einer anderen Pfarrei“, für einen Spottpreis erworben. Das Wasser fließt, nur es kalt ist. Es ist Sommer und der Ofen, der den Boiler in der Küche beheizen soll, wird nicht eingeschaltet. Von ihm führen Rohre ins Badezimmer. Im Winter, wenn er jeden Tag beheizt wird, reicht das warme Wasser aus, aber nur solange, damit man sich schnell abduschen kann. Auch hier endet die Reihe meiner Träume von herrlichen Bädern. Wieder einer nach dem anderen. Ich höre auf zu baden, nehme stattdessen eine Dusche. Aber immerhin in warmem, sauberem Wasser, nur für mich allein. Mein Handtuchverstaue ich an einem sicheren Ort, weil ich nicht möchte, dass jemand außer mir es benutzt, vor allem nicht mein Vater. Ich hänge mein Handtuch in meinem winzigen Zimmer an den Balken. Dort stelle ich auch meine Zahnbürste ab, die ich ebenfalls nicht mit jemand anderem teilen möchte, denn ich vertraue hier niemandem.
Je älter ich werde, desto mehr ekele ich mich, und diese Ekelgefühle entfernen mich von allen, besonders von meinen Eltern. Ich meide ihre Berührung, Küsse und zu nahen Atem. Ich rieche nicht an ihnen, weil sie nicht duften. Es reicht, den Gestank von nicht regelmäßig geputzten Zähnen, Schweiß unter den Achseln und verschwitzten Pullovern, die sie die ganze Woche tragen, zu riechen. Und noch mehr möchte ich nicht in meinem Leben haben.
So sind meine unreinen Gedanken…
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