Der Sonnenstrahl dringt durch das kleine, undichte Fenster in den Raum. Zusammen mit der Kälte, denn draußen ist es bitterkalt aber glänzend. In der Sonne tanzen Staubkörner wie Tänzerinnen auf dem Eis. Anmutig und leicht. Ich puste in diese Staubwolke, und sehe, wie die winzigen Partikel noch schneller in Richtung Sonne gleiten. Eine neue Entdeckung. Die Sonne lässt alles anders erscheinen. Selbst wenn man die Augen leicht schließt und nur durch einen Schlitzschaut, sind diese Staubkörnchen sichtbar. Alles verschwindet, wenn die Sonne untergeht.
Der Staub sammelt sich überall, besonders wenn im Ofen Holz verbrannt wird. Aber das passiert nur im Winter. Wir füllen ihn immer abends in der Scheune mit duftenden Holzspänen. Ich betrete mit Artur die eiserne Tonne und wir tanzen um den hölzernen Pfosten herum.Der Ofen muss gut gefüllt sein, damit er bis zum Morgen hält und die Kälte uns nicht zu früh erwischt. Die Holzspäne werden von unten durch kleine Schiebetüren angezündet. Wir ziehen das Türchen nach oben und das Feuer drinnen lodert, so dass die Eisenwände rot werden und die Wärme angenehm unsere gefrorenen Wangen erwärmt. Damit der alte Ofen gut aussieht, streicht Mama ihn mit silberner Farbe. Es stinkt ein wenig, aber zumindest passt der alte Ofen zum vor Ostern erfrischten Zimmer. Alles ist für die Feiertage neugestrichen, sauber, die Gardinen sind schneeweiß gewaschen. Aber ich mag sie immer noch nicht, weil sie kein schönes Muster haben. Es sticht mir genauso in die Augen wie das Muster an den Wänden. Bei Oma und Opa ist das Muster immer modern, weil Onkel Zbyszekim Sommer eine neue Musterrolle mitbringt. Er ist Bergmann und die Bergleute alles hundertmal besser haben. Sogar einen Kassettenrekorder hat er, nicht nur ein altes Radio mit abgebrochener Antenne. Er besorgt uns einen auf Papas Bitte und zwei Kassetten dazu. Wir singen Lieder, und Papa nimmt uns auf. Man darf nicht falsch singen oder Gedichte mit Fehlern vortragen, sonst wird er wütend. Ich sage ein Gedicht ohne zu stottern. Ich kann immer alles am besten. Artur schafft das nicht, er stottert und stottert, und die Aufnahme muss wiederholt werden. Ein weiteres abgebrochenes Lied und Papa schreit ihn an und ärgert sich, dass er ein Narr ist und sich nie etwas merken wird. Mein Bruder tut mir leid, aber innerlich bin ich stolz darauf, dass ich alles sofort, beim ersten Mal und immer am besten kann.
Eines Tages bringt Onkel bunte Kassetten mit, die man nur einlegen muss und die Musik läuft von selbst. Man muss endlich nichts mehr aufnehmen, das Geschreie endet endlich und Artur muss nicht weinen. Die beste Musik kommt von meinen Tanten. Und der beste Spaßist in ihrem Zimmer oben. Wir schminken Augen und Lippen. Ich trage türkisen Lidschatten auf die Augen und dick rosa Lippenstift auf die Lippen. Auf meiner Wange malt Celina einen schwarzen Punkt. Ein koketter Leberfleck wie bei einer Zigeunerin. Oder bei meiner Indianerpuppe, die ich zu Weihnachten vom Weihnachtsmann oder vielleicht von Opa Frostbekomme. Das kleine Indianermädchen ist an Silvester nützlich. Ich schmiege mich an sie und erzähle ihr, dass ich so einsam bin. An diesem Abend möchte ich einsam sein. Alle feiern, und ich tue so, als würde ich schlafen und höre nicht einmal den Knall des Champagnerkorkens. Ich möchte in der Einsamkeit leiden und nicht aus dem Bett aufstehen. Ein Neujahrsvorsatz: Ich möchte immer alleine sein und weinen, meine Puppe an mich drücken und meine Ruhe haben. Selbst das kalte Feuer überzeugt mich nicht und auch nicht die leckere Waffel gefüllt mit Milchcreme. Oma Wandzia macht die am besten, weil sie immer nach russischen Rezepten kocht. Und den besten grünen Tomatensalat im Sommer zaubert sie auch. Wir sammeln die Tomaten, bevor die Gemüsekrankheit zuschlägt. In einer Aluminiumschüssel müssen sie im Keller liegen. Die Schüssel dient uns normalerweise während der ganzen Woche zum Waschen. Samstags ist Badetag. Wir müssen uns nacheinander waschen, weil der Brunnen im Hof ausgetrocknet ist und das Wasser von Anklewicz geholt und lange auf dem Herd erhitzt werden muss. Ich mag Schmutz nicht, besonders nicht den von anderen, deshalb versuche ich meine Brüder zu überlisten und zu bestechen. Ich verspreche ihnen Berge von Eis im nächsten Jahr, wenn der Eismann wiederkommt. Die alte Sirene hupt auf der Straße und die Eiscreme ist so groß wie Butterstücke. Und in der gleichen weißen Papiertüte, aber drinnen gibt es immer eine leckere Überraschung. Wenn der Eismann kommt und Mama gerade ihr Gehalt bekommen hat, kaufen wir drei Portionen Eis. Ansonsten teilen wir ein Eis genau, wie die Packung Quark oder die Flasche Pepsi in der Stadt beim Einkaufen. Jeder darf einen großen Schluck. Ich möchte nicht teilen und träume oft von einer Flasche Pepsi nur für mich, die ich nicht unter das Bett verstecken muss, in meinen geheimnisvollen Sesam.
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