Störche sind aus warmen Ländern zurückgekehrt und klappern wieder auf der Burg. Das Nest hat einen langen Winter überstanden, obwohl die ganze Burg etwas vernachlässigt aussieht. Podbilski hackte Brett für Brett die Burgwände und die Parkett-Fußböden, bis das Echo im ganzen Dorf widerhallte. Dieses Jahr war der Winter besonders streng. Das Storchenklappern weckt mich, denn im Dorf ist es noch ruhig, und nur die Hähne krähen. Sie gehen zu früh schlafen und stehen zu früh auf. Ich auch. Wenn ich früher aufwache, stehe ich nicht auf, sondern tue so, als ob ich schlafe, während ich eigentlich Bücher lese. „Katzenmutter“ zum siebten Mal, „Die Lügnerin“ zum zehnten Mal, denn ich träume von Liebe wie sie. Ich bringe tonnenweise Bücher aus der öffentlichen Bibliothek mit. Ich habe sogar meine Großmutter in die Bibliothek eingeschrieben, um mehr Bücher auf einmal zu bekommen. Oma Wandzia liest nur Krimis, aber zumindest mag sie Bücher wie ich. Sie liest, während ich ihr die Nägel reinige oder ihr Haar kämme, Wellen forme und dabei über ihre Schulter hinweg Texte für Erwachsene lese.
Eines Tages werde ich auch ein Buch schreiben. Ich habe bereits ein Tagebuch mit einem Schlüssel, den ich zur Kommunion bekommen habe. Im Moment traue ich mich jedoch nicht, auch nur einen Gedanken einzutragen. Ich weiß nicht, wem es auffallen wird. Alles, was geheim ist, verstecke ich unter dem roten Teppich in meinem kleinen Zimmerchen neben der Küche. Das Tagebuch wird so lange geheim bleiben, bis das Schloss in der Tür stecken bleibt. Jetzt ist das Schloss kaputtund es muss aufgeschraubt werden. Wenn ich meinen Vater gut genug kenne, ein neues werde ich nie bekommen. Meine Ruhe wird nie zurückkehren. Das Zimmer liegt direkt neben der Küche und beherbergt nur mein Bett unter der schrägen Wand. Wenn ich fest träume, kratze ich mir manchmal die meine Hände und Finger an der rauen Fläche über meinem Kopf auf. Und wenn ich Fieber habe, träume ich, dass die Wand pulsiert und auf meinen Kopf stürzt. Die Wärme im Raum kommt nur von einem Stück Boiler, der nicht über dem Herd in der Küche passte und durch die Wand zu mir durchgestoßen wurde. Wenn Mama im Ofen heizt, plätschert das Wasser darin angenehm. Das ist meinWiegenlied. Ich versuche oft, einen Vorhang anzubringen. Kein Nagel hält jedoch, und das Helfen ist keine Arbeit für Papa. Das kleine Fenster friert im Winter komplett zu. Im Sommer kommt das Licht glücklicherweise erst nachmittags hinein, aber das Blechdach heizt den ganzen Tag über auf. Das Blech knallt vor Hitze, als würde jemand darauf herumlaufen. Mamas schreckliche Gedanken, dass es Artur sein könnte. Sie hat auch Angst vor Hochspannungsdrähten. Wenn er einmal durchkommt und entkommt, wird nichts von ihm übrigbleiben. Ein Haufen Ruß und Asche. Und wenn nicht Artur, dann laufen sicher Mäuse herum. Mäuse drängen herein. Mama schließt immer diesesFenster, dadurch es manchmal keine Luft zu atmen gibt. Aber Mäuse im Haus sind schlimmer als schlechte Luft. Weil sie auch stinken. Besonders im Winter. Im Winter sind sie in jeder Ecke, vermehren sich und quietschen früh am Morgen. Und sie machen kleine Haufen. Sie hinterlassen so ekelhafte Spuren. Dort, wo diese Haufen liegen, streue ich rosa Giftgranulat oder lege hölzerne Fallen aus. Jeden Morgen suche ich nach einer toten Maus, um unseren Tierfriedhof zu erweitern.
Im Sommer, wenn die Fenster den ganzen Tag geschlossen sind, riecht es nach eingelegten Gurken, Knoblauch, Meerrettich und Dill. Der erste Geruch, den ich schon auf der Treppe rieche, wenn ich von den Ferien bei Celina oder meiner Oma zurückkomme. Pralle Gläser voller Gurken. Fermentiertes Wasser mit weißem Flaum vom Schimmel. Ich esse nur die kleinsten Gurken, weil sie noch nicht matschig sind und kein Wasser herausspritzt. Aber ich mag die frischen Gurken besser, die grünen knackigen Gurken. Die ersten im Frühling bringt jemand manchmal aus dem Gemüseladen mit. Sie sind so lustig, lang und ohne Stacheln. Wie falsche Gurken. Brot mit Gurke und Salz. Ich schließe die Augen, rieche diesen Duft und träume. Ich träume auch von Brötchen und Erdbeerquark aus einer Dose mit einem goldenen Aufkleber. Wie man einen solchen Quark gerecht in drei Teile teilt? Vielleicht will Tomek ihn nicht. Tomek ist klein und dumm und weiß oft nicht, was gut ist. Zum Beispiel eine Banane. Als wir unsere erste Banane essen, will er sie nicht und spuckt dieses Leckerei aus. Wir teilen die Wiener Banane mit Artur nur zu Hälfte, was für eine Erleichterung, dass Tomek sein Teil nicht will! Manchmal möchte ich überhaupt nichts teilen! Wie teilt man einen winzig kleinen Geleebonbon des Pfarrers nach dem Religionsunterricht? Ich halte es lange in den Händen, auf dem Weg nach Hause von der Kapelle. Schließlich esse ich es direkt am Wegesrand und verschweige, dass der Pfarrer wieder eine Packung Süßigkeiten für den Religionsunterricht mitgebracht hat. Die Pakete sind wieder in der Pfarrkirche angekommen und wir müssen dorthin unbedingt gehen! Für Käse und Öl. Ich fahre mit dem Fahrrad von Opa. Ich bekomme auch gesalzene Butter. Wozu braucht man gesalzene Butter? Ich würde lieber so ein Geleebonbon haben, aber ich komme zu spät. Die letzten beiden bekamen die Stasiak Brüder.
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