Ich schaue aufs Fenster. Auf die Scheiben. Sie sind gefroren. Aber ich verstehe das noch nicht. Ich begreife nicht, was Physik bedeutet. Materie schmilzt, Materie friert ein. Ich puste, und das weiße Etwas auf der Scheibe verschwindet. Ich lecke an dieser kalten Scheibe und habe eine eiskalte Zunge. Macht nichts. Aber ich sehe etwas hinter der Scheibe, etwas hinter diesem Weißen, das schöne Muster hat. Wie die Ausschnitte, die Mama mit mir macht, wenn sie nicht aufräumen oder Wasser aus dem Brunnen holen muss. Oder Holz hacken. Holz hacken muss sie auch oder Kohle tragen. Ich setze mich auf den Tisch, nah am Fenster, und lecke die Scheibe noch mehr. Meine Zunge wird noch kälter. Aber das Loch wird größer, und ich kann noch mehr draußen sehen. Die Muster verschwinden, schmelzen. Was soll ich tun? Die schönen Muster lassen oder lecken, um mehr zu sehen? Ich sehe Schnee. Er ist weiß wie die Farbe von hölzernen Fenstern. Alte Fenster, noch aus der Zeit der Deutschen. Fenster in zwei Teile geteilt. Oben zwei kleine, unten zwei große. Wenn man ein bisschen lüften will, kann man nur die kleinen öffnen, sonst fällt Artur aus dem Fenster. Aufs Dach. Unten sehe ich das Dach von Oma Wandzia’s Veranda. Schwarze Pappe mit Teer bestrichen. Im Winter riecht es nicht, aber im Sommer, wenn es warm ist, klebt es und stinkt. Wie der Asphalt auf der Straße von der nach Mietków. Ich trat mit meinem neuen gelben Schuh in diesen geschmolzenen Asphalt. Brandneue Schuhe, so gelb wie ein Osterkücken. Ostern ist es schon wärmer, manchmal wird der Asphalt auch schon warm. Jetzt umgehe ich diese schwarzen Flecken auf den Straßen, weil ich Angst um meine Schuhe habe. Selbst im Winter. Ich traue der Straße nicht. Ich habe meine neuen Schuhe verloren und Ärger bekommen. Ich wollte sie so sehr haben und wochenlang starrte ich lange auf das Schaufenster. Zum Glück hat Mama ihren Lohn bekommen, bevor sie aus dem Schaufenster verschwunden wären. Zu diesen Schuhen trug ich ein buntes Punktehemd. Von Agnieszka geerbt. Wie fast alle meine Klamotten. Aber es macht nichts. Ihre alten Klamotten sind immer noch hübsch. Das Hemd passte zu den gelben Schuhen. Es hatte auch gelbe Punkte. Wie meine Lieblingsbonbons. Gelbe Bonbons schmecken mir am besten. Kleine Dragees. Mit einer knackigen Nuss in der Mitte. Wenn es nichts Süßes gibt, träume ich manchmal von diesen Dragees. Mit einem kleinen Sultan auf der Verpackung. Ein Hauch von Exotik. Manchmal träume ich so intensiv, dass ich sogar nachts von Bonbons essen träume. Ich träume oft von Schokolade. Im Laden in Maniów Wielki gibt es nur unverpackte Süßigkeiten, sie werden nach Gewicht verkauft. Auch die Pralinen. Graue Tasche, Aluminiumschaufel, grüne Waage. 50 Dekagramm Pralinen. Frau Irena gibt mir eine graue Tüte, und ich greife mit der Hand nach dem ersehnten süßen Quadrat. Ich habe ein Stückchen schon in der Hand, fast Im Mund… Ich wache auf. Es war nur ein Traum. Keine Tüte, keine Schokolade, es ist mir feucht im Bett…
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