Unfälle


Auf dem Hof von der dicken Marlena mag ich die Schaukel mit den starken Ketten am liebsten. Die rauen Äste der Birnbäume werden nie brechen. Ich lege mich auf den Bauch auf das Sitzbrett der Schaukel und schaukle stundenlang, stoße mich mit meinen Füßen vom Boden ab. Was für ein Spaß! Wenn ich zu Oma Jasia komme, gehe ich immer zu Marlena, und ich besetze die Schaukel meistens, weil Marlena längst genug davon hat, und wir haben keine solche zu Hause. Ich schaukle, schließe mit Vergnügen meine Augen, schaue nicht vor mich hin, achte nicht darauf und stoße irgendwie unglücklich und falle schräg auf den Boden. Ich weiß nicht, was passiert, aber ich fühle mich schwach, und etwas Warmes rinnt mir übers Gesicht. Ich berühre meine Wange, die Finger kleben an der Haut. Ich lecke meine Lippen, der Geschmack ist leicht eisenartig… Das ist wohl Blut. Ich weine nicht. Vielleicht vor Angst vor Papa soll ich. Ich habe was dummes nämlich angestellt. Das weiß ich. Marlena ruft sofort nach ihrer Oma. Die alte Trzaskowa humpelt auf ihren krummen Beinen in unsere Richtung und ruft: „Heilige Mutter Gottes! Lauf schnell zu Grażyna“, ruft sie. „Sie soll mit ihr ins Krankenhaus fahren!“ Ich setze mich unter einen Baum, weil meine Beine zittern. Ich sehe, dass Bluttropfen auf meine neuen Stoffsportschuhe getropft sind. Es wird Ärger geben. Ich fürchte mich am meisten davor, dass ich etwas Neues kaputt gemacht habe. Jetzt sehe ich meine Mama in der Ferne, sie ist verzweifelt, und mein Papa ruft etwas zu mir. Marlena erklärt die Situation, mein Zeugin. Sie versichert ihm, dass es aus Versehen war, sie kennt ihn gut genug, sie weiß, dass er mit mir schimpft anstatt mir helfen. „Sie hat den Nagel nicht gesehen“, sagt ihre Oma zu ihm. „Da ragt er aus dem Baum heraus, irgendein alter, wahrscheinlich noch von der Wäscheleine.“ Erst jetzt wird mir klar, was passiert ist. Der Nagel hat sich oberhalb meines Auges eingedrungen, und diese wenigen Millimeter haben mich vor großem Unglück bewahrt. Noch einmal berühre ich die Stelle über meinem oberen Augenlid, ein Blutstrahl rinnt immer noch, ein Loch, in das man einen kleinen Finger stecken kann. Ich schwäche wieder ab, aber mein Vater zieht mich, hebt mich hoch und verpasst mir brennende Klapse. So groß bin ich, und so dumm. Ich kann nicht vernünftig spielen, und ich werde nie wieder zu Marlena kommen. Er zieht mich an der Hand, denn Onkel Janek’s Auto kommt angefahren. Wir fahren ins Krankenhaus. Das Blut fließt immer noch, es mischt sich mit Tränen, tropft auf meine Hände, meine Shorts, auf den Autositz, niemand hat ein Taschentuch dabei. Der Vater schimpft, dass ich nur Ärger mache. Der Onkel beruhigt ihn, versichert ihm, dass es nichts ausmacht. Ich schlafe auf dem Weg ein, wache direkt vor dem Krankenhaus auf. Ich habe gerade von einem Schneider im weißen Kittel geträumt, der mit Nadel und dickem Garn in mein Auge sticht. Ich fürchte also, was wirklich passieren wird. Der Arzt erweist sich als nett, wäscht mein Gesicht sanft ab, lächelt, scherzt, aber ich kann nur meine Krokodilstränen schlucken und glaube nicht, dass alles so schnell und einfach gehen wird, wie er mir versichert. Alle drei halten mich fest, Mama, Papa und Onkel. Als wäre ich ein wildes Tier und würde vom Krankenhausbett fliehen wollen. Der Arzt nähert sich meinem Gesicht mit einem metallenen Gegenstand. Es sieht aus wie eine Pistole. Er erzählt etwas über einen Schießstand auf Dorffesten. Klick, klick und das Problem ist gelöst… Er fängt das Loch mit einer metallenen Klammer auf. Er klebt ein Pflaster darauf, klopft mir auf den Rücken. Fertig. Ein paar Wochen trage ich über meinem Auge einen Metallohrring. Die Narbe erinnert mich daran, immer vorsichtig zu sein, und bleibt für mein ganzes Leben sichtbar.

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