Schwarze Schürze

Schwarze Schürze für die erste Klasse als Schuluniform. Aus Łódź, eine Erinnerung an meine erste große Reise. Eine Tafel zum Erlernen der Multiplikation, ein weiteres Erinnerungsstück. Alle in der Schule tragen blaue Uniforme mit langen Ärmeln und weißem Kragen, nur ich bin anders. Meine Schürze ist kurz und mit Rüschen, eher russisch, wie in russischen Filmen. Zwei Zöpfe mit Schleifen. In der zweiten Klasse bekomme ich auch ein blaues Uniform wie jeder, mit abnehmbarem weißen Kragen. Mein Kragen ist weiß, weil er frisch ist. Die schmutzigen Kinder haben einen grauen Fleck um den Hals. Die Schürze muss nicht gebügelt werden, sonst schmilzt das Nylon. Zum Glück für Mama. Sie mag nicht bügeln. Mein Schulranzen ist so lala. Ich habe ihn mir nicht selbst ausgesucht. Uns werden die Dinge gekauft. Sie werden entweder mitgebracht oder geliefert. Ob du willst oder nicht. Kleidung bekommt man meistensgeschenkt, meistens von Agnieszka. Manchmal gibt es auch welche aus Frankreich aus westlichen Paketen. Wie das weiße Sommerkleid mit roten Blumen am Saum. Für das Kleid würde ich am liebsten aufhören zu wachsen. Und zunehmen. Der Gürtel rutscht nach oben, fast bis zu Achseln, ich tue so, als ob das so sein soll. Der Pullover ist aber neu, Farbe „Kaffee mit Milch“, an den Manschetten grüne Streifen. Für ein Foto. Dann Cordhosen, die schließlich in der Taille drücken. Eine zu enge Jacke aus dem französischen Paket. Das ist so eine Mode des „Nichtbesitzens”, des „Nichtkaufens”, des „Nichtbesitzens”, des „Nichtbittens”, des „Nichtärgerlichseins”.

Alle tragen Uniforme und Schürzen. Die Ladenbesitzerin, der Werklehrer und die Schulkrankenschwester. Omas Schürze ist für die Arbeit in der Küche. Und weil Oma immer in der Küche ist, trägt sie auch immer eine Schürze. Alle alten Damen tragen Schürzen. Jeden Tag stehen sie Schlange vor dem Laden. Kopftücher, gewölbte Bäuche und darauf dieselben Schürzen.

Das Stehen vor dem Laden ist ein Teil meines Lebensbevor ich Schule anfange. Manchmal füllt es einen halben Tag aus. Ich stehe sehr früh am Morgen auf und renne gleich zum Laden. Ich stehe gerne als Erste in der Schlange. Leider wartet schon Pinkowska. Sie wohnt gleich neben dem Laden und steht sicher noch früher auf als ich. Oder vielleicht schlafen solche alten Damen überhaupt nicht. Ich setze mich auf den Bordstein neben sie und passe auf die Schlange auf.

Omas Einkaufstasche sieht aus wie die Wachstuchtischdecke in ihrer Küche. Alle haben Wachstuch auf den Tischen, aber nur in der Küche, und Oma hat es auch im Zimmer. Den Tisch deckt sie nur an Feiertagen mit einer Tischdecke. Ihre Feiertage sind irgendwie nicht so festlich. Selbst wenn sie die Tischdecke auf den Tisch legt. Nur der Weihnachtsbaum bei Oma ist schöner, weil er echt ist. Und diese langen Bonbons in goldenen Folien. Figuren aus Lebkuchen mit weißem Zuckerguss, Celina hat solche direkt aus Breslau mitgebracht. Wenn ich sie im Februar vom Baum abnehme, sind sie so hart, dass ich mir die Milchzähne ausschlage. Sie bewegen sich und bluten. Ich würde sie alle gerne ausreißen, schließlich gehe ich schon in die erste Klasse, aber ich habe Angst vom Zahnziehen. Und so machen es bei mir die Erwachsenen. Sie binden eine Schnur um den Zahn, befestigen ihn am Türgriff. Celina, die Verräterin, zieht am Türgriff. Und ich heule, weil es wehtut und weil es gerade sie ist. 

Die Türgriffe bei Oma sind alt, das ganze Haus ist alt und kalt. In der Küche gibt es wenigstens warmes Wasser im Hahn. Das Badezimmer und die Toilette… Man muss nicht nach draußen laufen. Opa geht nur nach draußen, zu seiner eigenen Toilette mit einem kleinen quadratischen Fenster. Alles, was er dort macht, fließt direkt in den Graben. Ganz in der Nähe des Hauses. Der Graben stinkt im Winter und im Sommer.Im Sommer besonders. Wenn Frau Wójcicka am Samstag ihre Gülle ausleert, gibt es überhaupt keine Luft zum Atmen. Ich habe Angst vor der alten Wójcicka. Sie schreit sogar meine Oma an. Oma kann nicht streiten. Die Tochter von Wójcicka ist die Freundin von Celina, die mag ich sehr. Sie kommt jeden Samstagabend ins Zimmer meiner Tanten nach oben. Musik, Zigaretten und ab und zu Jungs. Dann gehen alle auf die Party und ich muss ins Bett. Ich würde lieber in diesem Rauch und dem Geruch von billigem Wein aus Frau Irenes Laden sitzen. Billiger Wein in grünen Flaschen. Limonade in Flaschen und Essig in Flaschen. Auf den Regalen im Laden nur Flaschen. Sogar die Milch ist in Flaschen, mit einer goldenen Kapsel. Wenn es stürmt und die Milch sauer wird, drückt die Kapsel nach oben. Die Milch ist hin. Nicht schlimm. Dann gibt es Kartoffeln mit saurer Milch.

Die Milch mag ich am liebsten bei Tante Hela. Direkt von der Kuh, warm und mit Schaum. Tante filtert sie durch eine Windel. Wenn ich bei Oma zu Besuch bin, gehe ich fast jeden Tag zu Tante Hela, nicht nur wegen der Milch. Da ist es schön. Zigaretten, Karten und Musik. Das Haus ist voller Gäste. Opa lacht und trinkt. Ich kann immer alles machen, was ich will, niemand schreit, außer vor Freude, weil er gerade beim „Tausend“-Spiel gewonnen hat.

Dodaj komentarz