Porno-Filmchen

Porno-Filmchen

Ich weiß nicht, wer von uns zuerst aufwacht. Ich oder sie – die von meinem Innerem. Und ich weiß nicht, wer schlechter gelaunt ist und wütender. Wir fühlen uns beide wie aufgeblasene Ballons, bereit jederzeit zu platzen, und das mit einem lauten Knall. Ich würde meine Mutter genauso hart einen knallen. Direkt ins Gesicht! Und meinen Vater würde ich in den Arm beißen, genau da, wo er das Tattoo hat. Er sagt immer, die Frau, die er auf seinem sommersprossigen Unterarm verewigt hat, sei Mama. Ich glaube ihm kein einziges Wort. Es könnte jeder sein, nicht unbedingt die, die vor dem Altar stand. „Die Braut“, wie er sagt, wenn er etwas getrunken hat. Auf ihrem Handgelenk sind irgendwelche Initialen und sie gehören bestimmt nicht zur „Braut“. Also lügt er. Alle Männer lügen, und Frauen sind dumme Kätzchen, die sich nachts unter ihnen räkeln. Wie Mama. Ich bin so wütend auf sie, dass ich sie einfach hasse. Ich stoße ihre Hand mit einer ruckartigen Bewegung weg, wenn sie mich morgens berühren und umarmen will, bevor ich zum Schulbus gehe. Ich möchte ihr sagen, dass sie sich mir nicht einmal nähern und mir nicht ihr von Papa abgeleckt aussehendes Gesicht aufdrängen soll. Die in mir kichert und sie bringt mich immer auf schlimmere Gedanken. Habe ich mir das alles selbst ausgedacht? Ich bin doch brav, wie jeder weiß. „Braves Mädchen“, sagen alle über mich. Heute Nacht habe ich viele Flüche gehört. Papa kam spät nach Hause und war betrunken, und im Bett hatte er seine Launen. Mama wollte angeblich ihre Ruhe haben, aber er saß schon fast auf ihr. Er fluchte heftig, also, um ruhig zu sein und uns nicht zu wecken, gab sie schließlich nach. Ich habe alles genau gehört, weil zwischen ihrem Zimmer und unserem Zimmer nicht einmal eine Tür ist, hinter der einfach das alles passieren könnte, was sie wollen. An dem Türrahmen hängen nur Plastikstreifen. Eine Art Paravent, in Wirklichkeit ein billiger Ersatz für Intimität. Die bunten Streifen flattern leicht, wenn Papa über Mama springt und keucht. Die Streifen an dem Türrahmen zittern im Rhythmus seiner Hüften und dem Quietschen des alten Sofas. Mama hört man irgendwie nicht, also streite ich mich manchmal sogar mit der von innen, dass sie Unrecht hat und Mama mich nicht betrügt und nicht unter ihm liegt und ihn überhaupt nicht liebt. Die von innen weiß es jedoch besser, weil sie eine lebhaftere Fantasie hat. Vor ihren Augen flimmern Bilder wie aus Filmen bei Onkel Gienek. Manchmal lädt Onkel Gienek, Papas Bruder, unsere Eltern zu einem Saufgelage ein. Er lebt mit seiner schon dritten Frau und einer ganzen Bande von Kindern zusammen. Mama widersetzt sich angeblich immer den Besuchen bei Schwager in der LPG-Siedlung, wo man hinter der Wohnungswand die Schweine quicken hört. Nach so einem Wochenende bei Onkel Gienek stinken unsere Kleider nach Mist und Silage aus den Silos. Aber was bedeutet schon Mamas Meinung? Papa schreit sie an, beschimpft sie. Er droht, dass wir nie wieder zu ihrer Familie fahren werden, also gibt es keine Diskussion, wir fahren zu Gienek. Papa hat seinen eigenen Plan gemacht. Wir steigen in den alten Syrena und fahren los, aber erst nach dem Mittagessen. Mama traut Tante Jadźka nicht zu, dass sie etwas Vernünftiges kochen kann. Abends landet jedoch ein üppiges Abendessen auf dem Tisch. Heringe, Gemüsesalat, Eier in Mayonnaise und ein Stück trockenes Fleisch. In der Mitte eine Schüssel mit selbstgemachter Wurst, die niemand aus unserer Familie, einschließlich Papa, anrührt. Das bedeutet etwas, denn er mag gerne Fleisch essen. Seit bekannt wurde, dass Onkel Gienek Schweinefleisch mit Fleisch von den Nutrias mischt, kann niemanden mehr dazu bringen, seine Metzger-Produkte probieren. Gienek schämt sich nicht einmal dafür, dass er so was unreines macht. Er versichert allen, dass das Fleisch von den Nutrias noch besser schmeckt als das vom Schwein. Er bringt Beispiele aus China, wo die Leute Hunde, Katzen und Ratten essen und das chinesische Volk deswegen noch nicht ausgestorben sei, im Gegenteil, die Chinesen vermehren sich wie die Kaninchen. Mir wird allein beim Gedanken daran übel, und ich fühle mich krank. Ich suche in der schmutzigen Wohnung meines Onkels einen Platz, an dem ich mich hinlegen und für einen Moment die Augen schließen kann. Auf jedem Sofa liegen jedoch Haufen von Kleidung, als ob sie nicht genug Schränke für all diese Lumpen hätten. Schließlich setze ich mich in den Sessel am Ende des Raumes und beginne dort eine Diskussion mit der in mir. Sie verspottet mich die ganze Zeit, indem sie sagt, dass ich so empfindlich bin und dass ich einfach nicht auf Unannehmlichkeiten achten soll und mich wie die anderen Kinder im Stall vergnügen sollte. Was soll ich machen, sage ich ihr, dass alles mich hier ekelt. Alles, was ich hier berühre, erfüllt mich mit Abscheu. Ich kann nicht auf dem Toilettenrand sitzen oder in die Badewanne steigen. Ich weiß, dass wir solches Bad zu Hause nicht haben. Wir gehen immer noch zur Toilette im Freien und nachts pinkeln in den Eimer. Unsere Badewanne ist aus Zink, und wir baden darin nur einmal pro Woche. Und um sich an einem späten Samstagnachmittag in warmem Wasser zu baden, schleppt Mama zuerst den halben Tag Wasser aus dem Nachbarbrunnen und heizt es in einem großen Kessel auf dem Kachelofen auf. Wir baden der Reihe nach. Alle im selben Wasser, mit denselben Seifen und im gemeinsamen Schmutz. Aber bei Onkel und Tante könnte ich mein eigenes Wasser haben, heißes Wasser, das aus dem Wasserhahn fließt, weil sie eine echte Heizungsanlage haben. Nach dem Baden wird das schmutzige Wasser abgelassen, und die nächste Person füllt frisches Wasser ein. Das ist Luxus! Aber seltsamerweise trete ich keinen Schritt in die Badewanne. Ich lüge und sage, dass ich mich zu Hause gut genug gewaschen habe und bis morgen ohne Baden auskomme. Arthur und Tomek stört der schwarze Pelz in der Wanne nicht, der so lange an den Rändern angesammelt hat, dass Mama ihn nicht einmal mit einer Bürste abwischen kann. Sie duschen meine Brüder mit Wasser aus der richtigen Dusche. Nach dem Bad putzt niemand unsere Zähne. Niemand hat daran gedacht, die Zahnbürsten einzupacken. Außerdem spielt die Mundhygiene in unserem Haus keine große Rolle. Wenn wir uns daran erinnern, putzen wir uns die Zähne. Wenn wir abends zu müde sind, bitten wir Mama problemlos, ohne Zähneputzen ins Bett zu gehen. Bei Onkel und Tante scheint auch niemand allzu viel Wert auf Zahnpflege zu legen. Wenn ich mir ihre Zahnbürsten anschaue, die im Badezimmer herumliegen, wundere ich mich nicht, dass beide nur schwarze und verfaulte Zähne sogar vorne haben. Ich frage mich, wann meine Eltern das auch betrifft. Ich sehe sie auch selten mit einer Zahnbürste in der Hand. Aber im Moment fehlt es ihnen noch an nichts im Lächeln. Meine Zähne sind nicht gesund, das weiß ich von der schulischen Zahnärztin. Sie hat mich schon oft in der Pause in das Zimmer der Zahnärztin geschickt. Ich umgehe es jedoch mit großem Bogen, denn ich fürchte mich vor dem Bohren. Außerdem werden mir sowieso alle Milchzähne herausfallen, egal ob gesund oder krank. Das sagt Mama. Und für die neuen wird schon gesorgt. 

Wenn wir zu dritt im Bett liegen und Ruhe in unserem Zimmer herrscht, beginnen die betrunkenen Erwachsenen nebenan mit ihrem Spaß. Die Besuche bei Onkel werden nämlich aus einem bestimmten Grund organisiert. Nicht nur, um familiäre Bindungen zu pflegen, zu essen und zu trinken, sondern vor allem, um den neuesten Schrei der Mode zu nutzen: Videos. Tagsüber schauen wir ein paar Folgen von Pluto, Donald Duck und Bugs Bunny. Und wenn Papa und Onkel mindestens zwei Flaschen geleert haben, liegt Spannung in der Luft. Es werden immer obszönere Witze erzählt. Unanständige Witze, bei denen sie die Ohren der Kinder zuhalten lassen. Schließlich fällt das magische Wort: „Porno“. Onkel besitzt einige Kassetten mit solchen Filmen. Ich weiß nicht genau, was „Porno“ ist, aber ich vermute, dass es wie ein Film nach 22 Uhr ist. Die von innen flüstert mir zu, dass es noch schlimmer ist und dass es gut wäre, wenn ich zusammen mit ihr spionieren würde, was die Alten gucken. Auf dem Sofa suche ich mir einen Schlafplatz am Rand aus, obwohl ich es am liebsten mag, an der Wand zu schlafen – dann fällt man nicht so leicht aus dem Bett, wenn sich jemand nachts zu sehr ausbreitet. Aber wenn ich am Rand liege, habe ich eine bessere Chance zu beobachten, was im Fernseher gleich läuft.

Bei Tante und Onkel fehlen auch die Türen zwischen den Zimmern, und im Türrahmen hängen auch Plastikstreifen. Nur bunter als bei uns, wahrscheinlich haben sie sie in der großen Stadt gekauft, zu der sie näher dran sind und öfter dorthin zum Einkaufen fahren. Ich tue so, als ob ich schlafe. Mama schaut in mein Zimmer, ich liege ruhig da und kneife die Augen zusammen, um nicht zu blinzeln. Der Tagesschau ist längst vorbei, und Onkel holt eine Kassette aus dem Regal. „Das erste Porno-Filmchen“, sagt er liebevoll. Der erste, weil sie eine „ganze Marathon-Nacht“ erwartet. Er legt die Kassette in den Player. Es dauert nicht einmal fünf Minuten, und die Gespräche im Raum verstummen, und aus dem Lautsprecher kommen nur noch Seufzer, Bettgequietsche und langgezogene Stöhnen. Es sind wirklich vertraute Geräusche für mich. Sie kommen fast jede Nacht aus dem Zimmer meiner Eltern. Die von innen will den Porno sehen. Ich selber bin etwas angewidert, noch mehr ekeln mich die Erwachsenen. Aber neugierig schaue ich unter halb geschlossenen Augenlidern auf die sich bewegenden nackten Hintern, behaarten Geschlechtsteile und prallen Brüste der stark geschminkten Frauen, die gierig die Lippen der schnauzbärtigen Männer lecken. Den Stöhnen und Seufzern scheint kein Ende zu nehmen. Ich beobachte es noch eine Weile und höre die Lachanfälle von Onkel und Papa. Die Erwachsenen stoßen an, und Onkel kneift Tante frech in den Hintern. Tante ist genauso vulgär wie Onkel. Sie ist begeistert von dem Film, überredet meine Mutter, endlich auch hinzuschauen, und nicht den Kopf wegzudrehen wie eine Heilige. Mama scheint jedoch müde zu sein und zieht sich als erste zum Schlafen zurück. Sie bittet auch Papa, mit dem Trinken aufzuhören und schlafen zu gehen, weil er morgen krank sein wird. Ich bete nur, dass er ihr nicht folgt und die Porno-Party nicht auf der nächsten Pritsche stattfindet. Schließlich schlafe ich ein. Nachts höre ich Papas Jammern. Jemand schaltet plötzlich das Licht ein und weckt alle Kinder auf. Es ist Papa, der sich übergibt, und man muss ihm einen Eimer hinstellen. Mama hatte Recht…

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