Die Weiber stehen an den Zäunen und unterhalten sich. Sie lachen und zeigen dabei entweder ihre künstlichen silbernen Zähne oder ihre eigenen, löchrigen, ungepflegten Zähne mit Brotresten in den tiefen, geröteten Zahnfleischtaschen. Ihre fettigen, ungekämmten grauen Haare sind schlampig unter bunten Kopftüchern versteckt. Im Sommer tragen sie Nylon-Kopftücher, im Winter dickere, bunte Tücher mit roten Fransen. Keine Frau verlässt das Haus ohne Kopftuch und Schürze. Manchmal denke ich, sie seien wahrscheinlich schon mit diesen Kopftüchern und Schürzen zur Welt gekommen, damit man sofort erkennenkann, dass ein Mädchen geboren wurde, aus dem eines Tages eine Frau mit einem aufgeblasenen Bauch sein wird und mit krummen Beinen in Gummistiefeln für Kuhstall oder abgetretenen Filzlatschen.
Wenn ich erwachsen bin, werde ich nie eine solche Schürze tragen, sondern mir ein Tuch um die Schultern werfen. Ich werde meine Haare waschen, meine Nägel lackieren und so sein wie eine Stadtfrau, wie die Ladenbesitzerin mit Dauerwelle, wie Frau Krysia, die Lehrerin im geschmackvoll geschnittenen Kostüm, wie meine Großmutter Wandzia im Pelzmantel mit einer Zigarette in einem dünnen, gläsernen Mundstück. Und ich werde weder nach Schweiß noch nach Kuhstall riechen. Wenn jemand neben mir in der Schlange vorm Laden steht, wird er seine Nase nicht zuhalten müssen.
Alle Dorfhäuser riechen gleich. Vielleicht stehen sie zu nahe an den Ställen und Hühnerschuppen. Vor fast jedem Haus dampft ein Misthaufen, der jeden Morgen mit frischem Viehdung ergänzt wird. Selbst wenn die Frauen für den Sonntag aufräumen, vertreiben sie den ländlichen Geruch nie. Bei denen, die viele Kühe auf dem Bauernhof haben, riecht es auch nach saurer Milch, dem verfaulten Geruch einer weißen Windel, durch die die Milch nach dem Melken filtriert wird. Im Sommer riecht es nach eingelegtem Kraut in Fässern, nach fermentierten Gurken in Gläsern, nach Dill und Knoblauch. All das steht herum und brodelt, reizt die Nasen, alles gewürzt mit dem Fliegendreck, denn Fliegen kommen angelockt von dem Überfluss an verschiedensten Gerüchen.
Jedes Haus, das ich im Dorf kenne, hat auch seinen eigenen „Duft“. Er kommt hoch, wenn man drin länger verweilt. Wenn meine Großmutter sagt: „Hol Wasser von Trzaskowa“, denke ich an ranzige Butter. „Jag die Enten aus Wójcickas Garten“, erstarre ich beim Geruch von Kuhmist in der Sonne und dem Summen der fetten grünen Fliegen, die darauf festmahlen. Jeder Omas Nachbarin weise ich einen anderen Gestank zu.
Warum waschen sie sich nicht, kämmen sich nicht, wechseln ihre stinkenden Kleider nicht und lüften die Küche nicht genug?
Gut, dass meine Großmütter anders sind. Denn wie könnte ich meine Großmutter küssen, wenn ihr Aussehen und Geruch mich sofort abstoßen würde? Wie kann man sich nachts mit ihr kuscheln, wenn sie Geschichten erzählt und einem direkt in die Nase stinkend ausatmet, während man auf dem engen Bett zusammenliegt.
Manchmal gehen wir mit meiner Großmutter von Haus zu Haus im Dorf. Das ist hier üblich. Kurze Besuche, unter einem ausgedachten Vorwand. Ich betrachte bescheidene Gegenstände vermeintlicher Hygiene. Schmutzige Kämme mit schwarzem, fettigem Belag auf den abgebrochenen Zähnen. Seifenstücke auf dem Fensterbrett, aufgeplatzt, mit Rillen wie auf rissigen Frauenfersen, mit Spuren von schmutzigem, nicht abgespültem Schaum. Handtücher, die man nicht von Putzlappen unterscheiden kann. Welches ist für die Hände und welches für das Gesicht oder das unten? Man erkennt es nicht. Manchmal sieht man auch einen Becher mit stark abgenutzten Zahnbürsten, ein Rest Zahnpasta in einer Metalltube. Fast wie Rasiercreme. Die Rasiercreme ist immer grün, die Zahnpasta immer weiß. Ein Rasierpinsel mit abgenutzten Borsten und eine einfache Rasierklinge. Alte Rasierklingen sammelt man in jedem Haus. Sie liegen irgendwo in Schubladen, in den Ecken der Fensterbänke, solche alten rostigen Bleche. Fast alles wird gesammelt, viele Male verwendet, repariert. Man weiß nie, ob diese Dinge im Laden wieder so schnell auftauchen werden, und wenn sie es tun, ob es für alle reicht.
Deshalb sind wahrscheinlich Dorfmänner oft unrasiert. Die Haare stehen ihnen ab, auch schon lange nicht gewaschen. Am schlimmsten sind die Nägel an den arbeitenden Händen der Bauern. Schwarzer Schmutz, zu lange Krallen. Und fast jedem sind schon längst die Zähne ausgefallen. Sie stinken schlimmer als ihre Frauen, weil sie noch dazu viel trinken, nicht nur nach der Arbeit, oft auch während schon, bis zum Umfallen. Sie sitzen stundenlang in der Sonne vor dem Laden. Dann schieben sie ihr altes Fahrrad, halten es so fest, als ob das Fahrrad den Weg nach Hause besser kennt als sie. Der Anblick eines schlafenden Mannes im Graben überrascht niemanden im Dorf. Man weckt ihn auf, hilft ihm aus dem Graben, wenn er hineinfällt, oder rennt zu seiner Frau und Kindern und ruft: „Frau Stasia, Hanka, Herr Józek, schläft betrunken am Straßenrand!”
Zu Hochzeiten, Beerdigungen, Taufen und wichtigen kirchlichen Feiertagen, sogar solche armen Männer erinnern sich an die Bedeutung der Reinigung, die sie schon fast vergessen haben. Sie rasieren sich, kämmen sich, polieren ihre einzigen festlichen Schuhe, damit sie schön glänzen. So kann man würdevoll den Fuß auf den heiligen Boden stellen.
Ich kenne niemanden im Dorf, der eine Toilette im Haus hat. Die Toilette – ein einfaches Plumpsklo – steht auf dem Hinterhof. Ein kleines Häuschen aus rauen Brettern, mit einem ausgeschnittenen Fenster in der Tür, manchmal mit einem Herzchen oder einem anderen Ausschnitt, aber das ist nur bei den reichen Bauern der Fall. Meistens stehen auch „Nachtseimer“ neben den Haustüren. In einigen davon ist der Urin noch bis zum Mittag nicht ausgeschüttet worden. Dicke, summende Fliegen kleben am Rand des Eimers und fressen hartnäckig etwas weg.
Bei den Reichen taucht das Badezimmer, fließendes Wasser und Zentralheizung am schnellsten auf. All das sind meine lang unerfüllten Träume: nicht nach draußen gehen müssen, um sich nachts zu erleichtern, sondern zur Toilette nebenan gehen zu können. Ich träume auch von einer Badewanne, vom Baden im Wasser mit Schaum, nur in meinem eigenen, sauberen Wasser, nicht in dem von Brüdern benutztem, und Gott bewahre, noch von Mama und Papa . Wenn alle samstags gebadet haben, lagert sich auf den Wänden des Metallbottichs eine dicke Schicht des wöchentlichen Drecks ab. Im Winter ist sie dünner, aber im Sommer, wo es mehr Staub gibt, sammelt sich eine so fette Schicht, dass ich sie lange mit einer Holzbürste wegschrubben muss. Ich hasse es, denn ich war gerade so schön sauber, frisch und duftend und jetzt werde ich schon wieder mit Unreinheiten beschmutzt.
Ich träume auch von Toilettenpapier. Von einer ganzen Rolle nur für mich. Bei uns gibt es aber nur Zeitungen. Ausgelesene, alte, in Stücke gerissene Zeitungen. Zuerst muss man sie gut zerknüllen, trotzdem sie sind immer noch hart. Bei Frau Janina, einer reichen Freundin von Oma Wanda, gibt es immer Klopapier. Manchmal habe ich Lust, ihr wenigstens eine Rolle zu stehlen. Sie tief unter meinem Kleid zu verstecken, nach Hause zu bringen und heimlich alleine benutzen.
Als ich zum ersten Mal in die große Stadt zu meiner Cousine Honorata fahre, hört meine Freude nicht auf. Ich kann mich so oft waschen, wie ich will, im gefliesten Badezimmer, plantschen in warmem Wasser mit Schaum, in eine geräumige weiße Wanne eintauchen, mich mit einem großen Badehandtuch, das nur für mich bereitliegt, abtrocknen. Ich liege bis zum Hals in der Wanne versunken und träume. Ich schmiede Pläne, wie es eines Tages sein wird, wenn ich in die Stadt ziehe. Wie ich sauber und angenehm haben werde, ohne komische Gerüche und Kälte. Ich werde eine Dame sein – nur für mich selbst in meinem sterilen Zuhause saubermachen.
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