Ich bin
die, die nicht mehr rennt.
Die,
die schweigt, wenn die Welt schreit –
nicht aus Schwäche,
sondern aus freier Wahl.
Ich bin die,
die gelernt hat zu gehen,
wenn etwas bleibt,
aber nicht mehr gut tut.
Die, die verstanden hat,
dass Zeit begrenzt ist –
man kann sie nicht auf später verschieben,
nicht auf Vorrat bewahren.
Viele Jahre
war ich für alle da –
außer für mich selbst.
Jetzt lausche ich dem Takt meines eigenen Herzens –
und bringe ihn nicht mehr zum Verstummen.
Ich suche keine perfekten Antworten –
ich höre lieber den Fragen zu.
Ich fühle mit meinem ganzen Wesen,
als hinge mein Atem daran.
Ich blicke auf das Meer,
als wollte ich mich erinnern
an das Ewige in mir –
geschenkt von Gott.
Ich gebe der Seele ihren Körper zurück
und dem Körper die Seele,
damit sie langsam wieder eins werden
und auf ihre Bahn zurückkehren –
wie aus einer fernen Reise durch das All –
nach Hause,
zu sich selbst.
Lieber bin ich allein
als in falscher Nähe.
Lieber die Stille
als Lärm ohne Sinn.
Ich bin Mutter,
ich bin bei dir –
doch keine Wächterin,
manchmal ein Rettungsring,
eine Klagemauer,
eine Hand zur Versöhnung.
Ich lerne loszulassen,
damit du aus eigenem Willen
zu mir zurückfindest.
Mich hältst du nicht leicht fest.
Doch wenn du mich hältst –
dann nur als Freie.
Andzelika Kassan, 21.07.2025
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