Heute früh wollte ich gleich nach dem Aufwachen meinen Traum aufschreiben. Schnell, bevor er verblasst. Sicher habe ich etwas geträumt – intensiv sogar, glaube ich, doch als ich die Augen öffnete und auf die leicht angelehnte Tür blickte, war alles sofort verschwunden. Die ganze Erinnerung an die Nacht. Ich lag noch ein paar Sekunden still, dann stand ich auf. Vielleicht, dachte ich, würde mir noch etwas einfallen, während ich ins Bad ging und dann in die Küche. Ein letzter Faden, an dem ich ziehen könnte wie an einem alten Pullover, und der Traum würde sich von selbst abwickeln. Aber nein.
Nun sitze ich mit der ersten Tasse Kaffee vor meinem Heft und schreibe einfach drauflos – was mir gerade in den Sinn kommt. Vielleicht über den gestrigen Spaziergang, wieder mit jener Frau, die ich kennengelernt habe. Noch ist sie keine Freundin, und ich weiß nicht, ob sie es je wird. Ich bin vorsichtig mit Menschen. Es darf nicht zu nah sein, nicht zu eng, nicht zu viel und nicht zu oft. So viel Nähe halte ich nicht aus.
Als Kind war das anders. Damals traf ich mich jeden Tag mit Monika. Wir gingen auf endlose Spaziergänge. Zum Stausee und zurück – durch die Allee, den Wald, den schwarzen Weg am Grodzisko entlang. Stundenlang durch die Felder, von wo man die Ślęża sehen konnte. Ich pflückte Kamille, wilde Blumen. Wenn der Strauß in meinen Händen langsam ohne Wasser welkte, machten wir uns auf den Rückweg – aber immer auf Umwegen, als wollten wir das Heimkommen hinauszögern. Denn eine brachte die andere nach Hause. Monika mich, und ich sie. Am Ende standen wir noch lange an der Pforte, ehe das Abholen von Neuem begann.
Die Blumen waren irgendwann so vertrocknet, dass ich sie meist über den Zaun zu den Hühnern warf. Neugierig stürzten sie sich auf die gelben Blütenaugen der Kamille, pickten ein wenig und gingen dann enttäuscht davon – es war ja kein trockenes Brot. Ich aber mochte es, Blumen auf dem Tisch zu haben, also kehrte ich wieder zurück auf die Wiese. Manchmal kam Monika mit, wenn es nicht zu spät war. Manchmal ging ich auch zu ihr, in den Vorgarten ihres Hauses, und pflückte diese gelben Blumen, deren Namen ich nicht kannte. Sie sahen aus wie kleine Bommel einer Wintermütze. Sträuße aus ihnen hielten lange. Die Blüten fielen nicht ab, die Stiele tranken das Wasser nur langsam. Schön und praktisch.
Unsere Spaziergänge waren unvergleichlich. Heute frage ich mich, worüber wir eigentlich stundenlang gesprochen haben. Hatten wir wirklich so viele wichtige Themen? Schmiedeten wir Pläne? Träumten wir laut? Und wenn ja – waren es große Träume oder eher kleine, einfache? Träume so schlicht wie unser Leben im Dorf, fern von der Hauptstraße nach Breslau? Nur dreißig Kilometer von der Stadt, und doch eine ganz andere Welt.
War es einfacher damals, besser? Oder sehnten wir uns schon damals nach dem Großen, dem Schnellen, dem Modernen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir nach der Schule nicht nach der Uhr lebten. Die Zeit gehörte der Natur. Nach Hause ging man, wenn es dunkel wurde oder zu kalt. Wenn ein Gewitter aufzog und man vor den Blitzen fliehen musste. Oder wenn die Pflichten erledigt waren: wenn alles getan, das Haus aufgeräumt, die Hühner gefüttert waren.
Dann aber – hinaus auf die Wiesen, in den kleinen Wald, Fußball spielen im Park, auf der Bank an der Haltestelle sitzen, Steine ins Wasser am Stausee werfen, vom Hügel vor dem Schloss hinunterrutschen, einen Schneemann bauen, über Nachbarn tuscheln, über nichts und alles lachen, in den Laden rennen, um Eis zu kaufen, wenn Opa ein paar Münzen für Süßigkeiten zusteckte.
Diese Unbeschwertheit – flüchtig, und doch göttlich.
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