Fortsetzung – 30. August 2025

Manchmal ist der Morgen, der mir zum Schreiben am geeignetsten scheint, gar nicht der, der voller Eingebungen ist. Mitunter muss man ein wenig durch die Welt streifen, sich umsehen – oder auch nicht. Vielleicht genügt es, die Augen weit zu öffnen wie ein Fenster beim morgendlichen Lüften eines durchgeschwitzten Schlafzimmers. Und einfach loszugehen, ohne Erwartungen, ohne Seufzer, ohne dieses besondere Etwas, das es wert wäre, festgehalten, mit ein paar Worten im Notizbuch skizziert zu werden.

Manchmal geht man einfach nur. Geht und denkt nicht. Oder denkt so viel, dass man, würde mich jemand fragen: „Woran?“, wohl ertappt dastünde und nichts wüsste. Also ging ich einfach. Ich ging, die Füße schlurfend, weil ein kleiner Stein in die Sohle geraten war. Klein genug, um ihn zu ignorieren – bis zur Biegung, wo eine Bank steht. Ganz in der Nähe jedenfalls.

Der Weg war noch feucht vom nächtlichen Regen. Erste gelbliche Blätter – nicht vom nahenden Herbst, sondern von der Dürre, die seit Jahren unsere Gegend plagt. Blätter, Stängel, Zweige… Oh! Frisch ausgerissenes Gras. So stark hatte es in dieser Nacht gar nicht geregnet.

Lachen, Schreie. Aha – also Kinder, kein Hagel. Eine große Gruppe, vielleicht zwölf, mit Schlamm beschmiert, weil sie wohl auf ihren Hosenböden den Hang hinuntergerutscht waren. Auf dem Weg ein Leitpfosten von Straßenarbeiten – den hatten sie wohl aus der Nachbarschaft herangeschleppt, wo Arbeiter, selbst am Samstag, den Asphalt für Glasfaserkabel aufstemmen.

Unter dem Pfosten, auf dem Pfosten und in den Händen der Kinder – lauter fette Weinbergschnecken. In ihren Häusern, gehalten von kleinen Fingern. Ein Riesenspaß! Sie hatten wohl fünfzig gesammelt, beim Streifen durch Büsche und Gräser. Überall ihre Spuren – und die Spuren der Gräser auf den grünen Hinterteilen, mit denen sie den Hang hinuntergerutscht waren. Die Mütter werden die verschmierten Jeans sicher nicht mehr sauber bekommen. Aber was soll’s. „Hör auf zu nörgeln wie ein alter Griesgram“, sagte ich mir. Auch ich liebte in ihrem Alter Regen und Schnecken – ganz voller Schlamm, ganz voller Glück.

Oft ging ich mit Artur, Tomek und Iza in den Wald. Manchmal auch mit meiner Mutter, die diese Idee überhaupt erst hatte. Beim ersten Mal nahmen wir Eimer mit, wie zum Pilzesammeln. Doch die Schnecken, so langsam sie auch waren, krochen mühelos an den glatten Metallwänden empor. Also stiegen wir auf Taschen um – daraus war die Flucht schwieriger, weil der Stoff rau war.

Die vollen Taschen trugen wir nach Hause, in den Schuppen, wo Mutter uns den großen Kessel hinstellte, in dem sie sonst das Wasser für das Samstagabendbad kochte. Unter der Woche brauchte man ihn nicht, gebadet wurde nur am Samstag – für den Sonntag. Am Sonntag musste man nicht so viel arbeiten, wurde nicht so schnell schmutzig, und für die Kirche um neun Uhr sollte man schließlich glänzend dastehen.

Der dunkelblaue Kessel hatte einen schweren, schwarzen Deckel. So schwer, dass selbst eine ganze Masse Schnecken ihn niemals hätte verschieben können. So dachten wir jedenfalls. Der Plan war einfach – den Kessel bis zum Rand füllen und am nächsten Tag die Schnecken zum Aufkauf bringen. Einmal im Jahr stand dort, ein paar Wochen lang, ein kleiner Lastwagen, wohl eine Nysa oder ein Żuk, mit umgebautem Anhänger. Zwei Männer kauften die Schnecken – für den Export nach Frankreich.

Bezahlt wurde ein paar Groschen, aber ums Geld ging es nicht. Wichtig war das Prestige der Arbeit – große, fette Weinbergschnecken sammeln, denn die kleinen nahm man nicht an; ein wenig verdienen und das Gefühl haben, dass unsere Mühe auf fremden Tellern landen würde! Weit weg, bei den Franzosen. All das machte unsere Arbeit bedeutend, international, gab uns ein Gefühl der Zugehörigkeit zu etwas Größerem als unserem Dorf, größer als unsere Gemeinde.

Ich stellte mir die Begeisterung der Franzosen vor – das Fingerabschlecken, das Trinken aus bauchigen Gläsern nach dem Schneckenmahl. „Merci beaucoup! Merci!“ – rufen sie uns zu, der Schar von Dorfkindern, die mit Feuereifer in nassen Büschen stöberten.

Am nächsten Morgen, nach der Jagd, waren wir mit Iza und ihrem Vater verabredet. Er würde zu uns fahren, den Kessel auf die Ladefläche seines Żuk stellen und die Schnecken noch vor der Arbeit zum Aufkauf bringen. Nach der Arbeit käme er zurück, um das Geld zu teilen. „Für jeden gleich viel“, versprach er.

Schon stellte ich mir vor, wofür ich meinen ersten verdienten Lohn ausgeben würde. In der großen Pause würde ich zum Kiosk rennen. Ich wusste, dass wir das eigentlich nicht durften, aber ich würde lügen, ich müsse kurz zu meiner Mutter ins Büro – sie arbeitete ja gleich in der Nähe. Niemand würde es nachprüfen. Der Kiosk war nur ein paar Schritte entfernt. Endlich würde ich mir kaufen, was Marzena und Agnieszka, Kaśka und Zośka, Romek und Wojtek schon längst hatten – eine Tüte gerösteter Sonnenblumenkerne. Eine große Tüte! Gut gesalzen, kaum verbrannt, gerade richtig geröstet. Köstlich!

Wir gingen mit Izas Vater in den Schuppen. Hoben den Deckel des Kessels an – und Iza und ich fingen fast an zu weinen, denn die Hälfte der Schnecken war verschwunden. Niemand wusste, wie sie das geschafft hatten. Der Kessel war doch zugedeckt. Ich sah mich im Schuppen um – einige waren die Wand hinaufgekrochen, suchten den Weg zum Licht. Sicher drängten sie sich in Spalten, um zu entkommen. Hastig sammelten wir sie ein, denn Izas Vater musste los. Die Hälfte der Beute war dahin.

Am Nachmittag kam die Auszahlung. Es reichte für ein Lutschbonbon, vielleicht für ein paar Donald-Kaugummis. Oder wir würden noch einmal losziehen. Es müsste nur wieder regnen. Wenn es zu trocken war, fingen wir zwar Zecken, aber keine Schnecken. Doch der nächste Regen kam zu spät – der Schneckenaufkauf hatte längst sein Geschäft eingepackt und war fortgefahren. Bis zum nächsten Jahr.

Ich frage die Kinder heute, warum sie Schnecken sammeln. Sie wissen es nicht. Sie wissen auch nicht, in welchem Land man sie isst. Ja, heute – wenn man Lust auf Delikatessen hat – kauft man sie tiefgekühlt im Supermarkt. Keine Reise nach Frankreich mehr nötig, keine Aufkäufer, keine armen Dorfkinder, keine Fantasie, keine kuriosen Erlebnisse.

Und niemand träumt mehr von einer Tüte gerösteter Sonnenblumenkerne.

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