9. September 2025
Gestern war ich den ersten Tag nach langer Pause wieder bei der Arbeit. Schon mittags bereute ich, dass ich das Angebot einer längeren Krankschreibung nicht genutzt hatte. „In der Nacht wird sich der Kopfschmerz bestimmt melden“ – dachte ich, als ich um sechzehn Uhr die Bürotür schloss. Ich weiß, dass ich solche Gedanken nicht heraufbeschwören sollte.
Nach der Arbeit fuhr ich mit dem Bus nach Hause. Zum ersten Mal in meinem Leben, seit ich zur Arbeit gehe – das heißt fahre – entschied ich mich für dieses Verkehrsmittel. Natürlich zum ersten Mal hier in Deutschland.
Ich erwartete auf der Bushaltestelle eine Menge Menschen, die auf die Abfahrt des Busses warteten. Schließlich ist sechzehn Uhr, die typische Zeit für Rückkehr von der Arbeit oder von der Schule. Aber außer einem pummeligen Mädchen, einem vom Leben müden Mann mit einem dicken Buch in der Hand und einem Ausländer, wahrscheinlich aus einem arabischen Land – war niemand da.
Ich nahm den Platz, den einzigen halbwegs sauberen, auf der schmutzigen und klebrigen Bank. Den Rucksack stellte ich in die Ecke des Wartehäuschens, weil er auf die Bank nicht mehr passte. Ich setzte mich und beobachtete das verschlafene Städtchen. Eigentlich war es ein Dorf, auch wenn der Ort sich hartnäckig „Stadt“ nannte. Er ist immer noch eine Gemeinde.
Ein Bus kam. Auf der Tafel stand: „Nicht einsteigen. Dienstfahrt.“ Zögerlich stand ich von der Bank auf, weil alle in Richtung Tür gingen und Plätze einnahmen. Laut Fahrplan hatte ich noch sieben Minuten bis zur Abfahrt, aber der Fahrer startete schon den Motor. Ich trat hinaus und vergewisserte mich, ob es wirklich Linie 35 war.
Er schnauzte mich sofort an.
– „Und welche soll es sein? Stehen doch geschrieben, oder? Soll die Dame lesen!“ – stieß er wütend hervor, mit Fehlern und mit russischem Akzent.
Der vom Leben müde Leser des Wälzers beruhigte mich leise, dass es tatsächlich Linie 35 sei, und dass der Fahrer immer vergesse, die Anzeige zu ändern, und genau in dem Moment, als ich ihn danach fragte, strich der Fahrer mit dem Finger über den Knopf, und auf der Anzeige erschien die richtige Information.
Ich nahm am Fenster Platz, auf dem Vierersitz, um mich bequem auszubreiten. Schließlich warteten fast dreißig Minuten Fahrt auf mich, mit vielen Haltestellen unterwegs in den umliegenden Dörfern. Fast wie vor Jahren – die Fahrt mit dem Schulbus. Jeden Tag dieselbe Qual. Jeden Morgen und jeden Nachmittag Übelkeit, weil ich an Reisekrankheit litt und es hasste, als Passagier zu fahren. Jetzt wiederholt sich die Geschichte wohl, sagt mir schon die Intuition.
Wir rasten los. Der unfreundliche Fahrer zeigte gleich am Anfang einen ebenso Passagier unfreundlichen Fahrstil. Ein abruptes Bremsen führte dazu, dass der Rucksack, den ich auf den gegenüberliegenden Sitz gelegt hatte, auf den Boden stürzte. Als ich ihn aufhob, schaute ich – meinen Unmut nicht verbergend – in Richtung des Fahrers. Er blickte auch in den Rückspiegel. Genau in meine Richtung starrte er. Sicher hatte er mich noch nie gesehen. In seinem Auge blitzte ein Hauch von Zufriedenheit auf, dass der Rucksack vom Sitz gefallen war. Als hätte er einen Sieg gespürt. Auf diese Weise wollte er sich wohl rächen, weil ich ihn unabsichtlich auf seine Vergesslichkeit aufmerksam gemacht hatte.
Die Fahrt war schrecklich. Der lange Bus schwankte in den Kurven, hielt nicht an Kreuzungen an und erzwang die Vorfahrt. Als ob wir vor jemandem flüchteten. An den Haltestellen unterwegs – keine lebendige Seele, also jagten wir auch durch die Dörfer, weit über die erlaubte Geschwindigkeit.
Nach zehn Minuten Fahrt war mir schon übel. Ich stieg sofort an der ersten Haltestelle in meiner Stadt aus, und den Rest des Weges nach Hause – obwohl er weit war – beschloss ich zu Fuß zurückzulegen. Ich hatte genug.
Ich dachte, dass ich, wenn ich mit dem Bus zur Arbeit fahre, etwas Neues erleben würde. Und inzwischen war es eine Rückkehr in die Vergangenheit. In die Schulzeit, als ich täglich ähnliche Qualen durchmachte.
Die heutige Busfahrt versetzte mich sofort zurück in jene Zeiten, als ich Kind war und mit dem Schulbus zur Grundschschule fuhr. Alte Schrottkarre, ständig ging sie kaputt. Sie sah aus wie eine Gurke. Wenn man hinten saß, schluckte man so viel Staub, dass es im Hals kratzte, weil aus den alten Sitzen graue Schwaden aufstiegen. Die Federn kamen fast aus den Sitzen heraus, aber trotzdem war es lustig, weil man darauf fast bis unter die Decke springen konnte, wenn der Bus durch Schlaglöcher fuhr.
Im Bus spielte sich fast unser ganzes Gesellschaftsleben ab. Dort traf man die Jungen und Mädchen aus höheren Klassen, belauschte ihre Gespräche, sah, wie sie angezogen waren. Vor allem, was die Mädchen unter den Schürzen trugen, denn in der siebten oder achten Klasse liefen sie schon mit offenen Schürzen herum. Man sah neidisch auf ihre Flirts. Auf die Anmache der Jungs, die sich immer die hübschesten oder die lautesten Mädchen aussuchten. Wer ein Paar war, erkannte man später auf den Fluren, wenn sie sich heimlich kleine, zu Quadraten gefaltete Zettel in die Hände schoben, wenn sie scheinbar gleichgültig aneinander vorbeigingen. Ihre Hände trafen sich doch für einen Augenblick. Auch ich wollte auch so was erleben…
Aber im Bus gab es nicht nur Lachen, denn manchmal spielten sich dort echte Dramen ab. Janusz, der in ein paar Jahren der Freund meiner Cousine und später ihr Ehemann und ein Mitglied meiner Familie sein würde, war schon damals brutal und hatte schwere Fäuste. Dick und groß, schlug er die Schwächeren, vor allem Mirek aus Domanice. Er prügelte ihn mit Fäusten so, dass der Junge ganz in sich zusammensank, aber niemals weinte. Mirek erhängte sich in der achten Klasse an einem Apfelbaum in seinem Garten. Ich habe ihn nie vergessen, er war schmächtig, rothaarig, schielend, sommersprossig, hatte alles, was man nur haben konnte, um Opfer zu werden, dazu Armut zu Hause, schlechte Kleidung, schmutzige Nägel. So ein Hänfling im Vergleich zu den anderen. Krysia aus meiner Klasse nahm sich auch das Leben. Sie hatte mehrere Gründe. Aber wohl auch, weil man sie hänselte, auch im Bus, und auch unter anderem Janusz trug die Schuld, der sie „roter Zopf“, „Füchsin“, „Eichhörnchen“ nannte.
Im Bus musste man immer wissen, wo man sich hinsetzt und wo besser nicht sitzen soll, um Ärger zu vermeiden. Es war peinlich, sich neben jemanden wie Mirek zu setzen, weil man sofort die Etikette bekam, seine Verlobte zu sein. Ich erinnere mich, wie es mir einmal passierte, weil ich ihn verteidigte. Um Mirek zu verteidigen, schlug ich Janusz mit der Faust auf den Kopf. Wahrscheinlich war er so überrascht, dass er nicht zurückschlug. Der Fahrer, Herr Waldek, sah, dass es Stress gab, setzte mich neben Mirek. Ich schämte mich furchtbar, weil die anderen über mich lachten.
Wir aus Maniowy, Domanice und Chwałów hatten einen Schulbus, den Herr Waldek fuhr. Er war groß, stark, und ich weiß, dass er den Frauen aus der Verwaltung, die mit uns ins Gemeindedorf fuhren, sehr gefiel. Sie machten ihm den Hof, und ich denke, dass er auch mir gefiel. Er war das Objekt der Seufzer aller Frauen aus der Gemeinde, aus dem Maschinenring, aus dem LPG.
Der zweite Schulbus war kleiner und gelb. Den fuhr Herr Jarek – klein, rundlich, immer fröhlich und lächelnd. Manchmal wollte ich, dass er unser Fahrer wäre, weil er Geduld mit Kindern hatte und niemals schrie. Mit seinem Schulbus fuhren Stróża, Wawrzeńczyce und Ujów – ich denke, weil es dort weniger Kinder gab und der kleinere Bus von Herrn Jarek reichte. Außerdem war Herr Jarek aus Stróża, also stellte er sich sicher die Route so ein, dass er sie beim eigenen Haus begann und endete.
Am schlimmsten hatten es die Kinder aus Okulice und Milin, denn sie fuhren mit der sogenannten „Bude“, einem umgebauten Anhänger, der an einen Traktor gehängt wurde. Ein Bild der Armut. So wie die Kinder aus diesen Dörfern: auch ein Bild von Not und Elend. Nur drei Mädchen hoben sich ab – Asia, Emilka und ihre Cousine Jola. Ihre Väter waren bei der Miliz. Die „Bude“ war ein Zeichen von Bauerntrampeltum, und alle, die nicht damit fahren mussten, lachten über die, die mussten, und beschimpften sie als Bauern, obwohl unsere Schulbusse ständig kaputtgingen, während die Bude immer ankam – nur der Traktor wechselte. Wenn einer kaputtging, suchte man im Dorf nach dem nächsten, um die Kinder rechtzeitig zum Unterricht zu bringen. Auch bei hohem Schnee.
In der Schule gab es auch Aufteilungen unter den Schülern nach Dörfern. Bei Schlägereien war sofort sichtbar, wer aus welchem Dorf kam. Die Mädchen verabredeten sich auch nur mit Jungs aus dem eigenen Dorf, weil es nach dem Unterricht sowieso keine Möglichkeit gab, sich woanders zu treffen als nur vor der eigenen Haustür. Niemand fuhr von Dorf zu Dorf, wir befreundeten uns nur nachbarschaftlich.
Erst ab der siebten Klasse hatte ich eine Freundin aus einem anderen Dorf, aus Domanice. Trotz großer Freundschaft trafen wir uns nur in der Schule, nie zu Hause, nie am Wochenende, solche Gewohnheiten gab es nicht. Und doch hielt diese Freundschaft bis zu unserem achtzehnten Geburtstag. Dann trennten sich unsere Wege. Ich ging zum Studium. Ela, verliebt in den schönsten Jungen der Schule – aus ihrem Dorf natürlich – wurde von ihm schwanger. Die Ehe hielt nicht.
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