11. Oktober 2025
Ich will regelmäßig schreiben. Jeden Tag. Heute kann ich aber nicht. Ich fange erst mit dem Kaffee an, um wach zu werden. Doch selbst ein großer Becher des starken Getränks weckt keine Gedanken.
Sie treiben irgendwo in meinem Kopf umher, aber ich weiß nicht, womit ich beginnen soll. Worüber heute schreiben?
Ein Loch. Ein großes, schwarzes Loch.
Das Einzige, was ich heute Morgen weiß, ist, dass mir alles wehtut. Alle Finger – nicht nur der Daumen, den ich im Sommer gebrochen habe. Auch Knien, Waden, die Schulter. Von den Füßen gar nicht zu reden – seit Wochen schmerzen sie, wenn ich sie jeden Morgen auf den harten Holzboden setze.
Der Sturz im Sommer, der Bruch im Handgelenk – sie haben mich plötzlich um Jahre versetzt. Ich spüre das Alter nahen. Es ist mir näher als fern. Es schleicht sich an, knirschend in meinen Knochen, steif in meinen Gelenken. Es macht sich bemerkbar.
Ich würde es gern ignorieren – aber das geht wohl nicht mehr. Am Morgen sehe ich es im Spiegel, auf meiner Haut – verknittert, müde, selbst nach den empfohlenen acht Stunden Schlaf.
Sie wird nie wieder so ausgeruht sein, dass sie morgens aufleuchtet, wie früher.
Ich brauche länger, um meine Gedanken zu sammeln, um mich nach dem Aufwachen zu erinnern, wo ich bin. Ich träume regelmäßig und unruhig. Man sagt, ich rede im Schlaf. Ich weiß es nicht. Vielleicht.
Jeden Morgen wache ich mit einem Knoten im Bauch auf. Mein Körper zittert. Ein vertrautes Signal, aufzustehen wie immer – zum Kampf.
Obwohl ich längst nicht mehr muss. Ich müsste nicht so hektisch in den Tag springen. Ich könnte ihn ruhig beginnen, ohne Eile, ohne Liste der ganzen Pflichten.
Aber ich kann es nicht.
Ich springe aus dem Bett, ohne mich zu strecken, ohne zu gähnen.
Stehe stramm – bereit für den Tag.
Morgenappell.
Zwei freie Tage reichen nicht, um aus der Routine zu fallen. Früher war das Wochenende bis zur letzten Minute verplant. So habe ich es gelernt. Jetzt wäre Platz – für ein Buch, eine Pause, einen Spaziergang.
Doch ich sitze da. Starre vor mich hin. Oder zu lange auf dieses verdammte Telefon, als würde ich auf einen Befehl warten, der gleich kommen muss.
Ich nehme es immer wieder in die Hand, schaue drauf, lege es weg. Immer wieder.
Ich greife nach dem Kreuzworträtsel. Gehe zum Kühlschrank. Räume auf.
Kreise herum und lade mich auf mit Zorn. Mit Wut auf mich selbst.
Weil ich es immer noch nicht kann:
ausruhen.
Nichts tun.
Liegen und an die Decke starren.
Nicht denken,
nicht planen,
nicht funktionieren.
Ich kann nicht im Hier und Jetzt sein.
Ich kann mich selbst nicht spüren.
Mich über die Schulter streicheln, über den Kopf und leise sagen:
Beruhige dich, Mädchen.
Beruhige dich.
Schließ die Augen.
Atme.
Vergiss die Welt.
Vergiss alle.
Auch die Kinder – du darfst das.
Sie sind groß, selbstständig. Und sie werden immer irgendwo in deiner Nähe sein.
Hab keine Angst um sie. Hab um niemanden Angst.
Liege einfach da.
Denk an dich.
Deck dich zu. Deine müden Füße.
Umschlinge deine Schulter.
Lege die Hände auf die Brust.
Atme tief. Ganz tief.
Nicht so flach. Nicht so hastig.
Atme.
Lass die Luft in dir kreisen.
Lass sie durchströmen.
Denk nicht.
Plan nicht.
Steh nicht auf.
Lass dich fallen.
In das Nichts.
In das schwarze Loch.
In die selige Untätigkeit.
Das ist keine Faulheit, Mädchen.
Das ist Erschöpfung.
Erschöpfung vom Leben.
Wie lange willst du noch so machen, ohne Ende?
Wann ziehst du deine Grenze?
Wann sagst du: Bis hierher und nicht weiter?
Hör auf, dich zu verbiegen.
Kümmere dich um dich.
Sorge für dich – denn niemand sonst wird es tun.
So banal das klingt – es ist wahr.
Niemand weiß, wie du dich fühlst.
Du klagst nie.
Du weinst vor niemandem.
Du hältst die Fassade für die Welt.
Lebst du für andere? Oder für dich?
Du lebst dieses eine Leben.
Nur dieses eine.
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