8. Januar 2026
Ich habe neue Kugelschreiber gekauft. Gleich eine ganze Packung. Als stünde ich kurz davor, in einen Schreibrausch zu verfallen. Ich lächle über mich selbst. Ja, es ist schon komisch in der heutigen Welt. Man braucht zuerst den richtigen Kugelschreiber, um schreiben zu können. Die teuerste Joggingschuhe, um laufen zu gehen. Ein ganzes Set verschiedenster Zubehörteile, um dieses oder jenes zu tun. Also gehöre auch ich zum Teil zu dieser Welt.
Der Kugelschreiber schreibt hervorragend, aber der Werbekugelschreiber von der Krankenkasse, gratis, ist auch keineswegs schlechter. Oh! Jetzt setzt er aus. Schiebe seine Unzulänglichkeit auf die Kälte. Auf die Minusgrade. Wahrscheinlich lag er lange in einem kalten Lieferwagen, der Amazon-Pakete ausfährt. Die nächste Sünde. Ich wurde ertappt. Schon wieder bei Amazon bestellt. Ich hatte mir versprochen, das nur zu tun, wenn es wirklich keinen anderen Ausweg gibt. Und dann habe ich mich ausgerechnet wegen Kugelschreibern verführen lassen. Ich gehöre zur gefühllosen Masse der Konsumenten. Recht so, dass der Kugelschreiber streikt. Das habe ich verdient.
Oh! Schon wieder eine Unterbrechung, obwohl ich dachte, er hätte sich in meiner Hand gut aufgewärmt. Am Ende habe ich immerhin drei Viertel einer Seite beschrieben. Mein Gefühl von Selbstwirksamkeit wächst. Wenigstens damit kann ich prahlen. Aus zwei Sätzen am Tag sind heute zwei Einträge geworden. Wieder lächle ich still vor mich hin. Manchmal lasse ich also auch meine eigene Feindseligkeit mir selbst gegenüber los. Ich erlaube mir zu sündigen. Schamlos. Ach was, zu den Heiligen habe ich schließlich nie gehört.
Heute zum Beispiel habe ich ordentlich Kuchen gegessen. Und dabei ist gar kein Sonntag. Seit über anderthalb Jahren esse ich entweder keine Süßigkeiten oder ich gönne sie mir alle paar Wochen – aber nur sonntags. An Wochentagen gilt ein Süßigkeitenverbot. Und heute ist Donnerstag! Gut, ich gebe es schließlich zu. Ich lasse es mir schon die ganze Woche gut gehen.
Seit sechs Tagen war ich nicht im Schwimmbad. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Bis jetzt habe ich nicht einmal gedacht, dass ich faul bin oder dass ich aus gesundheitlichen Gründen täglich hingehen sollte. Für meine Gesundheit habe ich mich diese Woche für Spaziergänge entschieden. Der Schnee hat mich überzeugt, aber auch der Wunsch, die Freude von Rex zu beobachten und die schöne Welt, in die sich die graue Wirklichkeit plötzlich verwandelt hat. Strahlendes Weiß und Licht. Das tut gut.
Wie ansteckend doch die Unbeschwertheit eines kleinen Tieres ist. Man könnte sagen: natürliche Gedankenlosigkeit – aber keine Leichtfertigkeit. Gedankenlose Genüsse. Intuitives Sich-Hingeben an das Sich-Freuen. An die Freude. Wie schön und leicht das ist. Wie Hundespuren im Schnee. Ich lerne von Rex.
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