Sonne

 

Aufwachen

Aus Angst

Vor dem Wecker

 

Der Tag muss beginnen.

Wieder und neu

Von Anfang

bis zum Ende

 

Nichts gibt in dieser Welt

ohne Mühe

 

Auf die Welle der Unruhe

folgt die Flut der Routine

 

Das schmerzhafte Verlassen

der warmen Decke

Ungeschicktes Suchen

nach den Hausschuhen

Die drängende Blase

Der erste Kaffee

Die Tageszeitung.

Schlechte Nachrichten aus der Welt

 

Ich weiß …

Es liegt nur an mir,

ob ich sie lese

oder mich einfach leise

aus dem Haus schleiche

 

Also schleiche ich hinaus …

 

Bei den Nachbarn ist es noch dunkel

Still

 

Eine schwarze Katze

gleitet lautlos über die Straße

von links nach rechts –

Zu wessen Unglück wohl?

 

Genug davon!

 

Das Vogelradio

unterbricht meinen Pessimismus

 

Ein gefiederter Chor

über meinem Kopf

und in meinem Ohr

 

Ein kleiner schwarzer Solist

im Licht der Laterne

 

Ich hebe den Kopf

noch schwer von dunklen Gedanken

 

Ein Ausruf des Staunens

Ein Seufzer

 

Der silberne Mond grüßt –

der würdige Herrscher

der scheidenden Nacht

 

Wie eine Schlafwandlerin

folge ich ihm brav

 

Und ich bitte ihn

noch einen Augenblick bei mir zu bleiben

 

In seinem silbernen Licht

fühle ich mich wohl

fast wie in der Sonne

 

„Ach, Sonne“, sage ich …

 

Oh! Verzeih –

das war nicht beabsichtigt.

 

Mit einem einzigen Wort

habe ich den Tag heraufbeschworen.

 

Ich –

eine unscheinbare Zauberin.

 

Nun muss der Mond weichen

Er geht fort

weil ich mich so sehr

nach Wärme sehne

 

Es ist nicht seine Aufgabe,

uns zu umhüllen und zu wärmen.

 

Zum Leben erweckt 

die allmächtige Sonne

 

So beginnt es also!

 

Heute besonders malerisch –

als würde Turner selbst

die Farben für Gott mischen

 

Alles glüht

Brennt

 

Ein Flammenmeer

am Himmel

 

Gelb

Gold

Feuerrot

 

Göttliche Schönheit

 

Plötzlich schimmern auch

Rosa und Violett hervor

 

Das Weiß

zarter Wolken

 

Der Himmel

füllt sich mit Blau

in Sekundentakt 

 

Der noch schläfrige Fluss

dampft weiter leise

 

Man sieht den Atem

der durchfrorenen Wiese,

die nach der frostigen Nacht

weiße Schwaden haucht

 

Alles erwacht zum Leben 

Dank der Sonne

 

Und die dunklen Gedanken

ziehen davon

 

Andzelika, 03.03.2026

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