Mama, am liebsten würde ich heute nach Hause zurückkehren.
Weißt du, ich brauche dich, selbst wenn du alt bist, runzlig und hässlich.
Selbst wenn mich dein Alter ermüdet, wenn deine Geschichten mich langweilen.
Wenn du mich mit Fragen quälst, ohne Sinn, endlos.
Du gehörst nicht zu meiner Welt, Mama…
Und doch brauche ich dich – trotz allem und gegen das, was ich oft für dich empfinde.
Ich möchte noch ein wenig deine Tochter sein, dein Kind, dein Mädchen.
Ein kleines Menschlein mit kindlich kleinem Verstand, mit Augen, die nur zur Mutter aufblicken.
Zur Hüterin.
Zur Nährerin.
Vor langer Zeit entstand aus dir meine Welt und an dir endete sie.
Wohin ich auch blickte — ein sicherer Horizont.
Mit staunendem Blick folgte ich deiner Bewegung
wie alles auf der Erde der Sonne folgt.
Du warst damals meine Sonne am göttlichen Himmel.
Am Morgen zündetest du das Licht in mir.
Am Abend decktest du mit deiner vollen Brust die Unruhe zu, die sich mit der Nacht anschlich.
Du vertriebst die dunklen Wolken aus meiner Welt.
Wenn du dich über mich beugtest, spürte ich deutlich den Duft deiner Busen —
den Duft der Muttermilch.
Noch immer dürste ich so sehr danach.
Ich — ein ewiger Säugling, ein kleines, schutzloses Menschlein.
Mama, beug dich noch ein wenig tiefer über mich, bitte.
Dann lege ich meinen Kopf an deine Schulter.
Ich verberge ihn tief unter deiner Achsel.
Dort wird mich niemand so schnell finden.
Still werde ich im mütterlichen Schutz.
Vielleicht finde ich dort endlich den ersehnten Frieden.
Weißt du, Mama, vielleicht nimmst du mich lieber auf den Schoß..
Wiege mich.
Halte mich fest.
Ich hatte einen so schrecklichen Traum…
Wovon?
Vom erwachsenen Leben.
Von meinem eigenen.
Seltsam, verworren.
Es war mein Leben — und doch so fremd.
Manchmal sehr einsam.
Ich streckte die Hände aus und tastete im Dunkeln nach deinen.
Hart gearbeitet.
Für mich, für uns.
Manchmal meinte ich sogar, unter meinen Fingern deine raue Haut zu spüren.
Warst du das damals, Mama?
Nein? Du warst es nicht?
Ach, du weißt es nicht…
Niemand sonst kann mir diese Frage beantworten.
Denn träumen tut man allein.
Mama, ich habe Angst, allein einzuschlafen.
Ich fürchte die Albträume,
dass ich erwachsen werden muss.
Dass ich eines Tages sterben werde…
Leg dich neben mich, geh nicht fort.
Wiege mich wie früher in den Schlaf.
Ich möchte noch einen Augenblick an deiner Seite ruhen.
Nur für einen Augenblick, Mama…
09.03.2026
Andzelika
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