Nebliger Morgen

Ein nebliger Morgen.

Weich und schläfrig.

Die Fensterläden umspinnt

feine Spinnenseide,

silbern und hauchzart.

Oder sind es vielleicht

die langen Haare

meines Schutzengels?

 

Ich weiß:

Er stand noch unter meinem Fenster,

treu wie in jeder Nacht –

selbst in jener winterlichen,

die im Frühling immer

noch ein wenig zu kalt war.

 

Er versprach, über mich zu wachen,

der alte Getreue –

und so wacht er.

 

Im Morgengrauen verschwindet er,

leise und lautlos,

sobald das Licht

zu hell wird.

 

Tautropfen –

kleine Perlen –

schaukeln vorischtig und saft,

als schwingten sie

im Rhythmus

eines noch nachklingenden Wiegenlieds.

 

Ach nein …

es war nur

sein fernes Echo.

 

Am Morgen springe ich

mit warmen Füßen aus dem Bett,

fortgezogen von der Sehnsucht

nach meiner Großmutter –

 

nach ihrem ruhigen Atem,

nach ihrem weichen Körper neben mir,

so nah,

immer in Reichweite meiner Hand.

 

An solchen nebligen Morgen

trete ich hinaus,

als ginge ich über den milchweißen Teppich

Aladdins

aus einem abendlichen Gute-Nacht-Märchen.

 

Wie ein kleines Kätzchen,

vom Instinkt geführt,

dem warmen Duft frischer Milch entgegen,

ihrem leichten, weißen Schaum.

 

Im Hof ist noch alles schläfrig.

Alles verborgen

hinter einem Schleier aus Nebel.

 

Großmutter ist irgendwo in der Nähe,

geht geschäftig umher,

sieht nach den Ferkeln,

melkt die beiden Kühe –

ihr ganzer schlichter Besitz.

 

Und plötzlich

die vertrauten Klänge:

 

Der kräftiger Milchstrahl

trifft hell auf den Boden der Kanne.

 

Ein Zeichen:

Sie ist ganz nah.

 

Ich laufe zu ihr

wie ein hungriges Kätzchen,

auf leisen, weichen Pfoten –

direkt in die Arme

meines Schutzengels.

 

Die vertraute Umarmung …

ruhiger Atem …

der gleiche Herzschlag …

 

War es vielleicht immer

meine Großmutter,

die dort unter meinem Fenster wachte?

 

10.03.2026, Andzelika

 

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